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HEIDRAUHFDB088_013 Madagascar 1994 |
Pflanzen mit Bezug zu Werner Rauh |
Werner Rauh hat während seines Lebens eine Vielzahl Pflanzen gesammelt und in den Botanischen Garten bzw. in das Herbarium Heidelberg gebracht. Darunter sind Arten, die noch niemand vor ihm entdeckt hatte, viele Pflanzen, die damals selten in Kultur waren, und auch solche Arten, die heute in jedem Gartenmarkt zu finden sind. Eine Anzahl Gattungen und Arten wurde zu Rauhs Ehren und als Anerkennung seiner Verdienste um die Botanik nach ihm benannt, z.B. Rauhocereus Backeb. 1956 (Cactaceae), Werauhia J.R.Grant 1995 (Bromeliaceae), Conophytum rauhii Tischer 1967 (Aizoaceae), Tillandsia rauhii L.B.Sm. 1958 (Bromeliaceae) oder Werauhia rauhii J.R.Grant 2004 (Bromeliaceae). Rauh selbst hat eine unglaubliche Fülle neuer Taxa erstbeschrieben. Der International Plant Names Index listet 1064 Einträge auf (Stand: 25. Mai 2010, 15:45 Uhr), bei denen Werner Rauh als Autor genannt wird, teilweise gemeinsam mit anderen Botanikern. Die meisten dieser Pflanzen stammen aus Aufsammlungen Rauhs.
Viele Rauh’sche Originalpflanzen wachsen und gedeihen noch heute nach Jahrzehnten in der Lebendsammlung des Botanischen Gartens Heidelberg. Auf dieser Seite
werden wir nach und nach einige davon in Wort und Bild vorstellen. Dabei sind es immer wieder die gleichen Familien, für die sich Rauh besonders interessierte.
Affodillgewächse — Asphodelaceae Juss. (1789)
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Während seiner zahlreichen Reisen nach Madagaskar brachte Rauh der Gattung Aloe besonderes Interesse entgegen. Er entdeckte einige neue Arten, deren Erstbeschreibung er teils selbst verfasste, manche seiner Aufsammlungen wurden aber auch von anderen Botanikern beschrieben, wie z.B. zu seinen Ehren Aloe rauhii (siehe Abb. rechts) 1963 von Gilbert Westacott Reynolds, die Rauh am 3. Oktober 1961 10 km südöstlich von Ampanihy als «Aloë nov. spec. ähnlich deltoidontea variegata» aufgesammelt hatte. Leider ist das Feldbuch dieser Reise nicht erhalten, glücklicherweise schrieb Rauhs Sekretärin alle Informationen von den Etiketten in den eingehenden Paketen ab, die Rauh bereits während seiner Reise aus Madagaskar per Luftfracht geschickt hatte. So blieben die wichtigsten Informationen erhalten.
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Aloe ruffingiana zeigt die für die Gattung typischen gestielten, von einem Hochblatt getragenen, röhrigen Blüten, deren drei äußere Tepalen (Blütenhüllblätter) etwa zur Hälfte miteinander verwachsen sind. Sie öffnen sich in der Regel nicht weit, sondern schieben zunächst lediglich die Staubbeutel ein wenig heraus, bis später die Narbe aus der Blüte ragt (= Vormännlichkeit der Blüte). Auch die Blütenfarbe ist typisch für die Gattung, denn Pink-Orange findet man am häufigsten, es gibt aber auch alle Farbnuancen von Gelb bis Rot.
Bromelien / Ananasgewächse — Bromeliaceae Juss. (1789)
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Rauh fand die ersten Pflanzen der Art Pitcairnia rubro-nigriflora am 8. Juli 1980 zwischen Tarapoto und Yurimaguas (Peru) auf 1000 m an Erdabrissen im Bergwald. Er trug sie unter Nr. 53676 als «Pitcairnia, einfache Infl[oreszenz]., Bltn. schwarz-rot, 1000m» in sein Feldbuch ein [HEIDRAUHFDB063A_025].
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Und genau dies tat er dann auch. 1984 veröffentlichte er in der von ihm an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz begründeten und herausgegebenen Schriftenreihe Tropische und subtropische Pflanzenwelt [Nr. 50, S. 32] die Erstbeschreibung seiner Neuentdeckung.
Kakteen — Cactaceae Juss. (1789)
1954, zu dieser Zeit noch nicht Professor, und 1956 unternahm Rauh seine ersten Expeditionen nach Peru, zusammen mit seinem Kollegen G. Hirsch. Obgleich
Peru schon von vielen Forschern bereist worden war, waren die Kenntnisse der peruanischen Kakteenvegetation noch sehr lückenhaft.
Die beiden sammelten dort zahlreiche Kakteen, von denen einige als neue Arten beschrieben wurden.
Der berühmte Kakteenforscher Curt Backeberg (18941966), damals wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sukkulentengartens «Les Cdres»
bei Saint-Jean-Cap-Ferrat (Cte d'Azur, Frankreich), studierte die Neufunde eingehend.
Er war von dem jungen Botaniker Rauh so begeistert, dass er ihm zu Ehren bereits 1956 in seinen Descriptiones Cactacearum Novarum [deutsch: Beschreibungen neuer Kakteen]
(erschienen 1957, siehe Anmerkung)
die Gattung Rauhocereus Backeb. (1957) nach ihm benannte, ebenso die Arten
Tephrocactus rauhii Backeb. (1957),
Armatocereus rauhii Backeb. (1957),
Weberbauerocereus rauhii Backeb. (1957) sowie die Varietät
Peireskia vargasii v. rauhii Backeb. (1957). In dieser Schrift, einem schmalen Heft mit
36 Seiten, veröffentlichte Backeberg insgesamt 319 Diagnosen von Gattungen, Arten, Varietäten und Untervarietäten, davon 192 in Ko-Autorschaft mit Rauh. Zu letzteren gehören
Vertreter der Gattungen
Tephrocactus Lem. (1868),
Mila Britton & Rose (1922),
Loxanthocereus Backeb. (1937) und vor allem
Haageocereus Backeb. (1934),
aber auch viele andere.
Im Herbarium HEID finden sich viele Belege zu diesen Diagnosen konserviert,
in der Lebendsammlung des Botanischen Gartens sind nach fast 60 Jahren immer noch einige Pflanzen in Kultur zu finden.
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Viele Jahrzehnte war im Botanischen Garten Heidelberg allerdings gar nicht bekannt, um welchen Schatz es sich bei den drei kultivierten Exemplaren der Aufsammlung «K 82 (1956)» handelt, war doch nirgends verzeichnet, dass dies Typpflanzen sind, d.h. dass anhand dieser Pflanzen die Erstbeschreibung vorgenommen wurde. Seit dem 1. Januar 1958 ist es Vorschrift, bei jeder Erstbeschreibung (Protolog) das Exemplar, auf das sich Protolog und Name beziehen, dauerhaft (d.h. unveränderlich) in einem öffentlichen Herbarium zu hinterlegen, damit es später jedem Forscher möglich ist, die Angaben im Protolog zu verifizieren. Häufig wird für Rauhs peruanische Neufunde seine Monographie von 1958 als Protolog genannt. Demnach hätte er ein Herbarexemplar hinterlegen müssen, um die Art gültig zu beschreiben. Tatsächlich aber war die Art bereits 1957 in Backebergs Descriptiones gültig beschrieben worden, denn dort erschien eine lateinische Diagnose und der Hinweis, dass sich die Typflanzen im Botanischen Garten Heidelberg befinden. Bis zum 31. Dezember 1957 durfte der Protolog auch anhand einer lebenden Pflanze angefertigt werden, die in einer öffentlichen Sammlung kultiviert wurde. Doch war weder auf der zugehörigen Karteikarte, noch auf dem Etikett zu erkennen, dass es sich um eine Typpflanze handelt (Typus-Etiketten sind immer rot). Erst im Rahmen des Projektes «Wissenschaftliches Erbe Werner Rauh» wurde dies deutlich: Es fand sich in der Datenbank ein Vermerk «f. K82». «f.» ist die Abkürzung für «Forma», d.h. für eine niedere taxonomische Rangstufe unterhalb der Varietät. «K82» erregt die Aufmerksamkeit des mit Rauhs Nachlass Vertrauten, denn K-Nummern vergab er nur bei seinen Peru-Reisen 1954 und 1956 für Kakteen-Aufsammlungen. Da das Original-Feldbuch erhalten ist, konnte nun 53 Jahre nach Erscheinen des Protologs die Typus-Pflanze als solche gekennzeichnet werden!
Anmerkung zu Backeberg Descriptiones Cactacearum Novarum: Auf der Titelseite und im Copyright-Vermerk des Impressums steht als Erscheinungsjahr «1956». Da das Heft im VEB Gustav Fischer Verlag Jena, also in der DDR, erschien, war eine Lizenznummer erforderlich, hier «215/34/57». Die letzte Zahl gibt das Jahr der tatsächlichen Veröffentlichung an, also 1957. Für alle Fragen im Zusammenhang der botanischen Nomenklatur ist das Datum der tatsächlichen Veröffentlichung entscheidend, nicht das Datum des Copyright-Vermerkes! Diesen Hinweis verdanken wir Dr. Urs Eggli von der Städtischen Sukkulentensammlung Zürich. [zurück]

