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HEIDRAUHFDB088_013 Madagascar 1994 |
Biographie von Werner Rauh |
Prof. Werner Rauh (* 16. Mai 1913 in Niemegk; † 7. April 2000 in Heidelberg) war ein international bedeutender und bekannter deutscher Botaniker.
Werner Rauh besuchte das Gymnasium in Bitterfeld, der Nachbarstadt von Niemegk. Seine Schulausbildung beendete er 1932 mit dem Abitur. In der Folge studierte er an den Universitäten von Leipzig, Innsbruck und Halle/Saale Botanik, Zoologie, Chemie und Geologie. An der Universität von Halle schloß er 1937 seine Studien mit einer Doktorarbeit bei Prof. W. Troll unter dem Titel „Die Bildung von Hypokotyl- und Wurzelsprossen und ihre Bedeutung für die Wuchsform der Pflanzen“ ab. 1939 habilitierte Rauh mit seiner Schrift „Über den polsterförmigen Wuchs“ und nahm daraufhin eine Assistentenstelle bei Prof. A. Seybold am Botanischen Institut der Universität Heidelberg an. Noch im selben Jahr entstand seine bewährte „Morphologie der Nutzpflanzen“. Während des Zweiten Weltkrieges diente er als Meteorologe bei der Marine. Rauhs Feldbeobachtungen als Soldat in Griechenland erschienen 1949 in den Berichten der Heidelberger Akademie der Wissenschaften unter dem Titel „Klimatologie und Vegetation der Athos-Halbinsel“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Rauh nach Heidelberg zurück und wurde 1956 zum außerordentlichen Professor ernannt. Während seiner ersten Expedition nach Madagaskar erhielt Rauh das Angebot, Direktor des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums Berlin zu werden, welches er allerdings ablehnte. 1960 wurde er Direktor des neu gegründeten Heidelberger Institutes für Pflanzensystematik und Pflanzengeographie (Geobotanik), sowie Direktor des Heidelberger Botanischen Gartens. Dieses Amt bekleidete Rauh über seine Emeritierung 1981 hinaus bis 1982.
Rauh beschäftigte sich mit der Systematik, Morphologie und Biogeographie der Pflanzen. In den Jahren von 1950 bis 1994 unternahm Rauh zahlreiche Expeditionen, überwiegend nach Afrika und Südamerika. Madagaskar und Peru waren dabei seine häufigsten Ziele. Bei diesen Expeditionen entdeckte und/oder beschrieb er ca. 1200 Arten, Unterarten oder Varietäten. Schwerpunkte seiner Forschungen waren dabei Bromeliengewächse sowie die Sukkulenten- und Xerophytenvegetation. Sein Herbarmaterial ist im Herbarium der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (HEID) hinterlegt. Die Sammlung seiner lebenden Pflanzen ist im dortigen Botanischen Garten zu besichtigen. Diese Forschungsexpeditionen wurden vornehmlich von der Akademie der Wissenschaften und Literatur zu Mainz finanziert, deren ordentliches Mitglied er seit dem Jahr 1968 bis zu seinem Tode war.
Rauhs Leistungen brachten ihm internationale Anerkennung. So war er Mitglied zahlreicher Gesellschaften und war für viele Jahre Vorstandsmitglied der Internationalen Organisation für Sukkulentenforschung (IOS). Ebenso war er Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Während seines Wirkens wurden Werner Rauh zahlreiche Ehrungen zu Teil: die „Willdenow Medaille“ Berlin, „Veitch Memorial Medal“ der RHS, „Cactus d’Or“ Monaco, „Ritter des Nationalen Ordens“ Madagaskar sowie 1999 der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Auch durch die Benennung zahlreicher Pflanzen aus vielen Pflanzenfamilien wurde ihm eine bleibende Erinnerung bereitet. Als Beispiele seien hier die Gattungen Rauhia (Amaryllidaceae), Rauhocereus (Cactaceae) aus Peru, Rauhiella (Orchidaceae) aus Brasilien und Tillandsia rauhii (Bromeliaceae) genannt.

